Programm

Freitag, 06.August 2021

18:30 Institut für Soziologie, Scharnhorststraße 121

FREITAG, 13. AUGUST 2021

16-18 h
  • Einführung: „Was ist das- herrschaftsfrei?“

Ort: Audi Max, Englisches Seminar, Johanniststr. 12 – 20

18-20 h
  • Demonstration: „Anarchismus in die Offensive! Globalen Krisen libertär begegnen.“ Startpunkt: Polizeiwache Münster-Innenstadt (Julius Voos Gasse)
20 h
  • Anarchistische Lyrik & Open Stage

SAMSTAG, 14. AUGUST 2021 //

Unigebäude am Aasee (Scharnhorststr. 100, 121 & 109)

11-13 h
  • Kapitalismus als Religion / TheorieA SCH 121
    Andreas Hellgermann, Institut für Theologie und Politik
  • Awareness-Workshop / FeministA SCH 100.301
    Lisa Hofmann, Mia Kaven und Lena
  • Links der Linken. Sam Dolgoff und die radikale US-Arbeiterbewegung / HistoriA SCH 109
    Lou Marin, Verlag Graswurzelrevolution
  • Anarchismus Hoch 4 / AktivistA SCH 100.107
    Bernd Drücke
13-14 h
  • Küche für Alle
14-16 h
  • Anarchy, State and Revolution / TheorieA SCH 121
    Uri Gordon
  • Mujeres Libres. Anarchistische Frauen in der Spanischen Revolution / FeministA SCH 109
  • Spuren der Anarchie / HistoriA SCH 100.107
    P. Haumer und A. Gautsch, Institut für Anarchismusforschung Wien
  • Solidarität ist eine Waffe. Machtaufbau und Praxis in der FAU / AktivistA SCH 100.301
    FAU Bonn & Köln
16-18 h
  • Gegenseitige Hilfe zwischen Natur, Streik und Hingabe: Piotr Kropotkin als Theoretiker der Solidarität / TheorieA SCH 100.301
    Jens Kastner
  • Syndikalismus & Feminismus. Beginn einer wunderbaren Freundschaft?! /FeministA SCH 121
    AG Feministische Kämpfe, FAU Dresden
  • Alfons Thomas Pilaeski – Gewerkschafter, Antifaschist und Journalist (1902-1977) / HistoriA
    Monika Kupczyk +++ENTFÄLLT+
  • Erdogans neue türkei und der Krieg gegen die Kurd:innen / AktivistA SCH 109 Piotr Zeisig
  • Umkämpftes Wohnen – Neue Solidarität in den Städten / AktivistA SCH 100.107
    Peter Nowak, Matthias Coers, Berg Fidel Solidarisch
18-20 h
  • Küche für Alle
20-22 h
  • Lieder der anarchistischen Bewegung

SONNTAG, 15. AUGUST 2021 //

Unigebäude am Aasee (Scharnhorst Str. 100, 121 & 103)

11-13 h
  • Notwendigkeit, Freiheit, Care. Eine anarchistische Ethik des Müssens / FeministA SCH 121
    Antje Schrupp
  • Ich lehre euch Gedächtnis“ Paul Wulf. NS-Opfer und Anarchist / HistoriA SCH 100.301
    Freundeskreis Paul Wulf
  • What’s going in in Kurdistan? Antikurdischer Faschismus in der Türkei / AktivistA
    Gin Bali +++ENTFÄLLT+++
  • Marxistische Kritik am Anarchismus / TheorieA SCH 109
    Karsten Schmitz
  • Hambi, Danni, Kletteraktivismus / AktivistA SCH 100.107
    Cécile Lecomte
13-14 h
  • Küche für Alle
14-16 h
  • Be Gay Do Crime. Wie wir die herrschende Ordnung zerstören und warum Queerness & Anarchismus so eng zusammenhängen / FeministA SCH 121
    Kollektiv GegenGrau & Friends
  • Auf der Landstraße zur Revolution? / HistoriA SCH 100.301
    P. Haumer und A. Gautsch, Institut für Anarchismusforschung Wien
  • Anarchismus und Tierbefreiung / TheorieA SCH 109
    Tierrechtstreff Münster
  • Neues aus Chiapas. Der Wiederstand der Zapatistas. / AktivistA SCH100.107
16-18 h
  • Abschlusspanel: Lokal, solidarisch, selbstorganisiert – Soziale Kämpfe verbinden

Kurzvorstellungen

Freitag

„Die Wirklichkeit zerreißen wie einen misslungenen Schnappschuss“:

Anarcho-Poetry von und mit Ralf Burnicki

Gelesen wird aus dem Gedichtband „Hoch lebe sie – die Anarchie“ und aus dem noch unveröffentlichten Band „Lichtaspirin“. Über Ralf Burnicki schrieb die Graswurzelrevolution: „Burnickis künstlerische Risikobereitschaft ist herzerfrischend, und seine Liebe zur Sprache ansteckend. Die Wucht seiner Texte ist an ihren besten Stellen nahezu atemberaubend, ihr kritischer Hintergrund dagegen kühl und reflektiert“.

Samstag

Kapitalismus als Religion

Walter Benjamin, die Religionskritik und der neoliberale Kapitalismus

Referent*in: Andreas Hellgermann, Institut für Theologie und Politik

Vor 100 Jahren hat Walter Benjamin das berühmt gewordene Fragment „Kapitalismus als Religion“ geschrieben. In diesem Text sagt er, dass der Kapitalismus eine wirkliche Religion ist. Wenn er damit recht hat, dann ist die Bedeutung der Religionskritik zur Überwindung des Kapitalismus nicht zu unterschätzen. Sie richtet sich also nicht nur gegen die „traditionellen“ Religionen. Schwierig, aber auch spannend wird es in dem Moment, wo man bemerkt, dass in der jüdisch-christlichen Tradition selbst eine Religionskritik steckt. Diese Religionskritik hat sich schon immer gegen die unterschiedlichsten Formen von Herrschaft gerichtet. Worauf können wir zurückgreifen und was brauchen wir, um die Herrschaft des Kapitalismus zu überwinden? Auf die Religionskritik werden wir nicht verzichten können! In dem Workshop soll es darum gehen, die wesentlichen Punkte von Benjamins Text darzustellen, die Bedeutung der Religionskritik stark zu machen, beides im Kontext des neoliberalen Kapitalismus des 21. Jahrhunderts zu diskutieren und für dessen Überwindung produktiv zu machen.

Awarenessworkshop

Referent*innen: Lisa Hofmann, Mia Kaven und Lena

Wir möchten mit euch über Awareness sprechen. Warum ist es so wichtig, dass wir gemeinsam Verantwortung für gemeinschaftliche Räume übernehmen? Wie kann das gelingen?

Wir möchten unsere Erfahrungen im Aufbau von Awareness-Strukturen und Safer Spaces teilen und Euch dazu einladen, mit uns zusammen darüber zu reden, was dabei wichtig ist. Was sind Eure Erfahrungen in Gruppierungen und bei Veranstaltungen? Was braucht Ihr, um Euch wohl fühlen zu können?

Wir wollen auch darüber reden, wie wir die Grundsätze der Awareness im Kontext von Kapitalismuskritik und Klassenkampf sehen. Dazu möchten wir mit Euch die folgenden Fragen erkunden: Warum ist die Pflege gemeinschaftlicher Räume als “Commons” auch eine Frage der gerechten Arbeitsteilung? Wie können wir in Awareness-Strukturen ein Modell der transformativen Gerechtigkeit realisieren, das als Gegenentwurf zu Bestrafung einen gemeinschaftlichen Heilungsprozess in den Mittelpunkt stellt?

Buchvorstellung:

 Links der Linken.

Sam Dolgoff und die radikale US-Arbeiterbewegung

von Anatole Dolgoff

Referent*in:  Lou Marin (Lektor, Verlag Graswurzelrevolution)

Es gab und gibt in den USA eine andere als die reaktionäre Arbeitergewerkschaft AFL-CIO, zuletzt Hauptstütze Trumps und der Republikanischen Partei, nämlich die anarchistisch-unionistische Gewerkschaft der Industrial Workers of the World (IWW) mit ihren weltweit vertretenen Sektionen. Das Buch „Links der Linken“ über Sam Dolgoff (1902-1990), geschrieben von seinem Sohn Anatole Dolgoff, ist nicht nur die Biografie eines der wichtigsten und aktivsten IWW-Aktivisten, sondern erzählt die Geschichte eines gesamten Jahrhunderts ebenso unbekannter, vergessener wie radikaler Arbeiter*innenkämpfe in den USA des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts.

Anarchismus hoch 4 – Gelebte Utopien im 21. Jahrhundert

Referent*in: Bernd Drücke

Der Vortrag führt in Geschichte und Gegenwart des Anarchismus ein und bietet Anregungen und Stoff für die Realisierung gewaltfreier, herrschaftsloser Utopien und Perspektiven. Referent Bernd Drücke hat 1998 über „Anarchismus und libertäre Presse“ promoviert. Er war 22 Jahre Koordinationsredakteur der anarchistischen Monatszeitung Graswurzelrevolution, bevor er im Januar 2021 eine Stelle im Leitungsteam des Archivs für alternatives Schrifttum (afas) in Duisburg angetreten hat. Voraussichtlich im März 2022 erscheint bei Unrast das von ihm herausgegebene Interview-Buch „Anarchismus hoch vier“.

Anarchy, State and Revolution

Referent*in: Uri Gordon

This presentation offers a new anarchist synthesis of social and revolutionary theory, combining three elements: 1) a two-dimensional analytic of human self- and social powers (material and noetic; productive, reproductive and destructive); 2) an account of these powers‘ alienation and concentration in a complex of institutions led by privileged classes (economic, military, familial, bureaucratic, educational, cultural, etc.), whereby they assume fetishised forms (e.g. commodities and money, legal authority, authoritative knowledge); and 3) an account multiple regimes of domination based on race, gender, age, ability, etc. which are reproduced, intensified or ameliorated through these institutions, and are therefore to be resisted through the dissolution of concentrated powers and their reclamation in a context of collective autonomy. The theory builds on the unfinished work of Fredy Perlman, who was influenced by Kropotkin, Volin and Lefebvre, and is offered as a distinctly anarchist framework, in which the critique of institutions and regimes, and the case for direct action and collective autonomy, are mutually contained.

Mujeres Libres. Anarchistische Frauen in der Spanischen Revolution

Die Gruppe Mujeres Libres (Freie Frauen) wurde Anfang 1936 – kurz vor Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs – gegründet, um sich zwei Zielen zu widmen: der sozialen Revolution und der Verbesserung der Situation der Frauen. In den drei Jahren ihres Bestehens waren mehr als 20.000 Mitglieder in über 150 Ortsgruppen organisiert; sie gaben eine Zeitschrift heraus, leiteten politische und berufliche Bildungskurse für Frauen, organisierten Hilfsarbeiten für die Frontkämpfer und eigene Kolonnen von Frontkämpferinnen. In einer traditionell stark patriarchalisch strukturierten Gesellschaft kollidierten auch in der libertären Bewegung theoretische Erkenntnisse zur Frauenfrage mit ihrer praktischen Umsetzung im konkreten Alltagsleben. Mujeres Libres wurde zu einer Bewegung, die eigenständige Positionen zur Frauenfrage entwickelte.

Spuren der Anarchie

Referent*innen: Peter Haumer und Andreas Gautsch – Institut für Anarchismusforschung, Wien

Anarchismus und Anarchosyndikalismus in Österreich am Beispiel der Schumachergewerkschaft und ihrer Kämpfe vor dem ersten Weltkrieg und der Siedlungsversuche des „Bundes herrschaftsloser Sozialisten“ im Wien der Zwischenkriegszeit.

Solidarität ist eine Waffe

 Machtaufbau und Praxis in der FAU

Referent*innen:  Syndikate Köln & Bonn  der FAU

Aktivist*innen der FAU Köln und der FAU Bonn geben Praxiseinblicke in Organisierungsstrategien und Arbeitskämpfe der Freien Arbeiter*innen-Union.

Gegenseitige Hilfe zwischen Natur, Streik und Hingabe

Piotr Kropotkin als Theoretiker der Solidarität

 Referent*in: Jens Kastner

In seinen Werken „Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt“ (1902) und „Ethik. Ursprung und Entwicklung der Sitte“ (1923) arbeitet der Geograph und kommunistische Anarchist Piotr Kropotkin u.a. an den Grundlagen einer modernen Theorie der Solidarität. Er stellt die „gegenseitige Hilfe“ als naturgegebenes Grundprinzip menschlichen Handelns einem Kampf aller gegen alle ebenso gegenüber wie der staatlichen Organisierung des Sozialen. Die allgemeine Form von Solidarität sieht Kropotkin als eine, die sich im Laufe der Menschheitsgeschichte ständig ausweitet und vertieft. Zugleich widmet er sich auch spezifischen Formen von Solidarität etwa am Beispiel des Streiks. Entscheidend für solidarisches Verhalten ist hier nicht die allgemeine Menschheitsentwicklung, sondern das konkrete Engagement und die Hingabe der sich als ähnlich erfahrenden Arbeiter*innen.

Aber wie sind die beiden Auffassungen von Solidarität miteinander vermittelt? Sind sie heute noch verwendbar? Während auf Ähnlichkeit und Gemeinsamkeit als Grundlage für Solidarität auch in den aktuellen politischen wie akademischen Debatten immer wieder Bezug genommen wird, scheinen die Naturannahmen und der Fortschrittsoptimismus Kropotkins kaum mehr anschlussfähig.

Der Vortrag zeichnet die Errungenschaften und die Probleme des Kropotkin’schen Solidaritätsverständnisses nach und diskutiert seine Relevanz für die Gegenwart.

Syndikalismus & Feminismus –

zwei Paar Schuhe oder der Beginn einer wunderbaren Freundschaft?

Referent*innen: AG Feministische Kämpfe der Freien Arbeiter*innen Union Dresden

Ein Plädoyer für mehr feministisches (Selbst-)Bewusstsein in
gewerkschaftlicher Arbeit und für mehr feministische Arbeitskämpfe
Beim Thema Gewerkschaft und Feminismus fällt den meisten zuerst
„Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ ein, und weiter … nicht viel.
Schade eigentlich! Feminismus ist nicht nur Rollenkritik, Identitätswahl
oder Sprachproblem – Gewerkschaft muss kein miefiger Männerbund sein.
Wir finden, beides sollte aufeinander bezogen und konsequent zusammen
gedacht werden. Für einen syndikalistischen Feminismus!
Vortrag und Diskussion.

Alfons Thomas Pilarski (1902–1977)

Gewerkschafter, Antifaschist und Journalist +++Entfällt+++

Referent*in: Monika Kupczyk

Alfons Pilarski war ein Anarcho-Syndikalist, der eine wichtige Rolle in
der deutschen und polnischen Arbeiterbewegung spielte. Er war ein
Mitglied der oberschlesischen Freien Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD)
und später Funktionär der polnischen Gewerkschaft ZZZ. Pilarski sah den
Faschismus als Gefahr für die Arbeiterbewegung, deshalb versuchte er
dessen Aufstieg entgegenzuwirken. Dabei spielten seine Fähigkeiten als
Journalist, Grafiker und Karikaturist, aber auch als mitreißender
Redner, eine wichtige Rolle. Pilarski publizierte eigene Texte und
brachte als Redakteur deutsche und polnische (anarcho-)syndikalistische
Periodika heraus.

Die Veranstaltung legt den Schwerpunkt auf Alfons Thomas Pilarskis
Aktivitäten als Gewerkschafter, Antifaschist und Journalist in der
Weimarer Republik und in Polen.

Erdogans neue Türkei und der Krieg gegen die Kurdinnen. Bericht der Friedesdelegation nach Südkurdistan/Irak.

Referent*in: Piotr Zeisig

Am 24.04.2021 maschierte die Türkei in den Irak/Südkurdistan ein – weitesgehend unbeachtet von Weltgemeinschaft. Seitdem schreit das Schweigen der Medien ohrenbetäubend. Um die sich für eine politische Lösung des Konfliktes einzusetzten reißte ab dem 08.07. eine selbstorganisierte Delegation aus 14 Ländern in/nach den Irak/Südkurdistan um mit Vertretern von Politik und Zivilgesellschaft zu sprechen und das Schweigen des Westens und insbesondere Deutschlands zu durchbrechen. Der Vortrag „Erdogans neue Türkei und der Krieg gegen die Kurdinnen. Bericht der Friedesdelegation nach Südkurdistan/Irak.“ wird die politische Situation einordnen und von der Delegationsreise berichten.

Umkämpftes Wohnen – Neue Solidarität in den Städten

Referent*innen: Peter Nowak, Matthias Coers, Berg Fidel Solidarisch

In Zeiten gesteigerter Verwertungsinteressen und angespannter
Wohnungsmärkte wird für immer breitere Bevölkerungsteile
schmerzhaft erfahrbar, die persönliche Wohnungsfrage individuell
nicht mehr lösen zu können. Dabei entstehen im Wohnumfeld und
städtischen Raum Suchbewegungen nach praktischer Solidarität.
Konkrete Mieter*innenkämpfe entwickeln sich zu neuer Stadtteilarbeit.
Einige Beispiele davon werden in dem in der Edition Assemblage
herausgegebenen Buch „Umkämpftes Wohnen – neue Solidarität in den
Städten“ vorgestellt.

Die Herausgeber werden mittels Text und Bild Initiativen aus dem In- und Ausland vorstellen.
Dabei leitet sie die Frage, wie Kämpfe um Wohnraum, niedrige Mieten,
gegen Verdrängung und die Kämpfe um höhere Löhne und Einkommen
zusammengeführt werden können. Auch in Münster sind Initiativen
entstanden, die die neue Solidarität in den Städten praktisch
umsetzen wollen. Berg Fidel Solidarisch wird dazu als lokale Initiative einblicke in ihre Praxis geben.

Sonntag

Anarchismus und Tierbefreiung:

Referent*in: Tierrechtstreff Münster

Von Animalisierung in den ersten Gesellschaften, Tierzucht im Zeichen des Kapitalismus, Staatskommunismus und auch Anarchismus, über Diffamierungen im Zeitalter des Imperialismus, bis hin zur modernen Tierindustrie, die Tiere, Umwelt und Menschen ausbeutet, wirken Unterdrückungsmechanismen nicht nebeneinander, sondern gemeinsam. Diese so genannte „Intersektionalität“ der Unterdrückungsformen aufzuzeigen und die Herrschaft über Mensch und Tier zu überwinden hat sich die Tierbefreiungsbewegung zur Aufgabe gemacht. Dieser Vortrag wird einen knappen Einblick in die lange Geschichte der Herrschaft über Mensch und Tier und gegen diese Herrschaft gerichtete Befreiungskämpfe geben, sowie Methoden und Ziele der Tierbefreiung thematisieren.

Notwendigkeit, Freiheit, Care: Eine anarchistische Ethik des Müssens

Referent*in: Antje Schrupp

Manchmal ist es notwendig, dass Menschen Dinge tun, auch wenn sie keine Lust dazu haben. Dies ist vor allem im Bereich der Care-Arbeit ein Problem. Während es bei der Frage, wie dreckig eine Toilette sein muss, damit sie nun wirklich mal geputzt werden MUSS (und auch dann keine unmittelbar schlimmen Folgen drohen, wenn sie dann immer noch nicht geputzt wird), stellt sich die Dringlichkeit in anderen Fällen existenziell: Ein kranker, hilfsbedürftiger Mensch MUSS jetzt und sofort versorgt werden, ein Baby MUSS betreut werden, es gibt hier keine Spielräume. Die Corona-Pandemie hat zugleich gezeigt, wie manchmal das gesellschaftliche Wohl aller unmittelbar davon abhängt, dass sich alle an Regeln halten, auch wenn sie persönlich nicht einverstanden sein.

Herrschaftsbasierte Gesellschaften lösen dieses Problem bekanntlich über Gesetze und Zwang. Wenn wir als Anarchist:innen das ablehnen, müssen wir die Frage stellen: Wie gehen wir dann mit solchen Notwendigkeiten an? Wann „muss“ ein Anarchist, eine Anarchistin etwas tun? Wie stellen wir sicher, dass das, was notwendig ist, auch tatsächlich getan wird – und war verlässlich jetzt und sofort und nicht erst nach langen Diskussionen, auf deren Ergebnis Care-Bedürftige ja nicht warten können?

Die Antwort auf diese Frage muss über Appelle an eine individuelle Moral hinausgehen, die nämlich, wie die Praxis gezeigt hat, oft zur Folge hat, dass die entsprechende Arbeit an denen hängenbleibt, die das am wenigsten dicke Fell haben, um solche Notwendigkeiten zu ignorieren. Die daraus resultierenden Verhältnisse sind aus einer anarchafeministischen Sicht genauso inakzeptabel wie traditionelle, formale Herrschaftsstrukturen.

Ausgehend von dieser Problemstellung entwerfe ich eine „anarchistische Ethik des Müssens“, die auf den Vorarbeiten von Denkerinnen wie Simone Weil, Iris Murdoch und anderen aufbaut.

„Ich lehre euch Gedächtnis“ – Der Münsteraner Anarchist Paul Wulf (1921-1999)

Referent*in: Freundeskreis Paul Wulf

Paul Wulf wurde 1938 von den Nazis als „lebensunwert“ zwangssterilisiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er zu einer wichtigen Stimme der bis zu 400.000 zwangssterilisierten NS-Opfer. Heute erinnern eine Straße und eine Skulptur in Münster an den Anarchokommunisten, der 1991 für seine antifaschistische Aufklärungsarbeit mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurde. Referent Bernd Drücke war eng mit „Münsters bekanntestem Antifaschisten“ befreundet, hat als Mitglied des Umweltzentrum-Archivs das Projekt „Münsters Geschichte von unten“ (www.uwz-archiv.de) mitentwickelt, die Straßenumbenennung initiiert und im März 2021 mit dem Freundeskreis Paul Wulf das Buch „‘Ich lehre euch Gedächtnis‘ Paul Wulf, NS-Opfer, Antifaschist, Aufklärer“ (Unrast) mit herausgegeben. Bei schönem Wetter kann diese Veranstaltung auch an die Paul-Wulf-Skulptur am Servatiiplatz/Promenade verlegt werden.

Whats going on in Kurdistan? – Antikurdischer Faschismus in der Türkei +++Entfällt+++

Referent*in: Gin Bali

Kurdistan. Ein Land voller Zerissenheit, Krieg, Folter, Flucht und ohne Zuflucht.

Erst seit 1991 ist die kurdische Sprache in der Türkei nicht mehr verboten. Erst seit 2004 ist die kurdische Sprache im Fernsehen nicht mehr verboten. Kurdischen Kindern in der Türkei ist es immer noch verwehrt, Schulunterricht in ihrer Herkunftssprache zu bekommen.

Aber was sind die Ursprünge der Konflikte um das kurdische Volk herum? Wo liegt eigentlich Rojava? Wie äußert sich antikurdischer Rassismus in der Türkei und was für Folgen hat das für die Kurd:innen? Und vor allem:  Was haben wir für Möglichkeiten Kurd:innen zu unterstützen?

 Vortrag inklusive offener Diskussionsrunde mit Leitfragen.

Marxistisch Kritik am Anarchismus

Referent*in : Karsten Schmitz

Menschen sind imstande, frei und gleich zusammenzuleben, ohne einen repressiven Staatsapparat – darin sind Anarchisten und Marxisten sich einig. Die Differenz zwischen beiden sozialistischen Lagern besteht darin, wie man zu dieser solidarischen Gesellschaft gelangen will. Warum Marxisten denken, dass dem Anarchismus eine glaubwürdige Strategie fehlt, seine Ideale zu verwirklichen, soll dieser Vortrag erläutern.

Be Gay Do Crime – wie wir die herrschende Ordnung zerstören und warum Queerness und Anarchismus so eng zusammenhängen.

Referent*innen: GegenGrau & friends

Wie hängen queere und anarchistische Bewegung zusammen?
Warum ist es wichtig, die Kämpfe zu verbinden?
Warum brauchen wir care-Arbeit und riots – und wer macht uns das schon vor?
Was ist deine queer-anarchistische Utopie?
Diesen Fragen wollen wir uns mit euch im Rahmen von 1,5-2 Stunden nähern (es gibt auch eine Pause!)
Nach einem kleinen historischen Input gibt es Raum zum gemeinsamen Diskutieren, Träumen & Planen von Revolution oder kleineren Ladendiebstählen.
Vorkenntnis zu anarchistischer oder queer Theorie ist dafür nicht nötig.

Nach einem kleinen historischen Input gibt es Raum zum gemeinsamen Diskutieren, Träumen & Planen von Revolution oder kleineren Ladendiebstählen.

Vorkenntnis zu anarchistischer oder queer Theorie ist dafür nicht nötig.

Auf der Landstraße zur Revolution?

Referent*innen: Peter Haumer und Andreas Gautsch

Institut für Anarchismusforschung, Wien – anarchismusforschung.org

In der Vagabundenbewegung sahen Anarchistinnen und Anarchosyndikalistinnen vor und nach dem 1. Weltkrieg ein revolutionäres Potential. Von Erich Mühsams Organisierungsversuchen den 5. Stands, über den Vagabundenkongress in Stuttgart, bis zu den Auseinandersetzungen innerhalb der ‚Bruderschaft der Vagabunden‘ nach
der Hinwendung des „Königs der Vagabunden“ Gregor Gog zum Stalinismus.